Mahnmal für den Grenzflüchtling Rainer Burgis

Eine Mahn- und Gedenkstätte steht am Grünen Band zwischen Mechau in der Altmark und Bockleben im Wendland, Niedersachsen. Dort an der innerdeutschen Grenze war vor 40 Jahren der 20-jährige Sonderschüler Rainer Burgis aus Salzwedel bei seinem Fluchtversuch getötet worden. Er hatte versucht, den mit Selbstschussanlagen gesicherten DDR-Grenzzaun an jenem Herbstabend zu überklettern. Dabei löste er zwei tödliche Splitterminen aus.
Am 15. Oktober 1978 um 18.00 Uhr erfolgte nördlich von Mechau die Auslösung des Grenzsignalzaunes Feld 18, um 19.55 Uhr erfolgte eine weitere Auslösung im Feld 20. Die alarmierten DDR-Grenzer hörten kurz danach eine Detonation und entdeckten am Grenzzaun zwei durch Minen verletzte Flüchtlinge. Er wurde geboren am 14. September 1958 in Salzwedel, getötet durch Splitterminen am 15. Oktober 1978, 2000 Meter nördlich von Mechau im Altmarkkreis im Bereich der Grenzsäule 347 (Sachsen-Anhalt).
Rainer Burgis ging aus einer heimlichen Liebesbeziehung seiner in Westdeutschland verheirateten Mutter mit ihrem aus der DDR geflüchteten Cousin hervor. Als Rainers Mutter ihre Schwangerschaft bemerkte, entschied sich das Paar gemeinsam zur Übersiedlung in die DDR, wo beide in der LPG „Tierproduktion” Stappenbeck arbeiteten, einem Vorort der alten Hansestadt Salzwedel – unweit der innerdeutschen Grenze. Ihr im September 1958 geborener Sohn Rainer galt als lernbehindert und war stark kurzsichtig. Seine Tante Inge Burgis erinnert sich an einen „herzensguten Jungen”.
Nach dem Besuch der Sonderschule in Salzwedel arbeitete Rainer Burgis in der elterlichen Genossenschaft als Viehpfleger und in der Futterwirtschaft. Einige Monate vor seinem späteren Fluchtversuch lernte er in der LPG den Melker Wilfried Senkel kennen und freundete sich mit ihm an. Nach Ermittlungen des DDR-Staatssicherheitsdienstes planten Burgis und Senkel, im Herbst 1978 nach Bayern zu fliehen, wo Rainers Großeltern damals lebten. Um ihren Fluchtversuch zu tarnen, gaben sie an, sie wollten mit ihren Fahrrädern zum Pilzesuchen in den Wald.
Am 15. Oktober 1978 um 18 Uhr erfolgte nördlich von Mechau die Auslösung des Grenzsignalzaunes Feld 18 und um 19.55 Uhr eine weitere Auslösung im Feld 20. Die alarmierten DDR-Grenzer hörten kurz danach eine Detonation und entdeckten am Grenzzaun zwei durch Minen verletzte Flüchtlinge. Nach Aussage von Wilfried Senkel versuchte Rainer Burgis, den mit Selbstschussanlagen gesicherten Grenzzaun an jenem Herbstabend zu überklettern. Dabei löste er zwei tödliche Splitterminen aus. Er wollte sich, nach Aussage von Wilfried Senkel, auf keinen Fall festnehmen lassen und unter allen Umständen in die Bundesrepublik flüchten. Beim Eintreffen der durch den Vorfall herbeigeeilten DDR-Grenzsoldaten war Rainer Burgis bereits seinen Verletzungen erlegen.

Um eine Beobachtung von der Westseite auszuschließen, verbargen DDR-Grenzer die Leiche von Burgis im Unterholz, während der schwer verletzte Wilfried Senkel zur medizinischen Behandlung abtransportiert wurde. Die Obduzenten in der Medizinischen Akademie Magdeburg stellten einen Tag später am Leichnam von Rainer  Burgis „61 unterschiedlich geformte Metallsplitterverletzungen fest”. Im DDR-Gerichtsverfahren gegen Wilfried Senkel wegen „versuchter Republikflucht” durfte der Tod von Rainer Burgis nicht erwähnt werden. In einem Schreiben der Untersuchungsabteilung der BV Magdeburg der Staatssicherheit vom 24. Oktober 1978 an den Bereichsleiter Abwehr des Grenzkommando Nord in Stendal heißt es:

„Unter Beachtung der sich aus diesem Vorkommnis ergebenden erhöhten Anforderungen an die Konspiration wird zum Zwecke der Beweisführung gebeten, das […] Festnahmeprotokoll der Grenztruppen der DDR unter dem Gesichtspunkt der Alleintäterschaft des Senkel nochmals abfassen zu lassen. In dem zu erstellenden Festnahmeprotokoll dürfen keine Hinweise auf die Mittäterschaft der Person BURGIS enthalten sein.”Rainer Burgis wurde bereits wenige Tage nach dem Grenzzwischenfall in Salzwedel beigesetzt. „Es war ganz schrecklich, denn es durfte ja keiner etwas sagen”, erinnert sich seine Tante Inge Burgis an die Trauerfeier: „Da stand ja überall die Stasi rum.” Eine Beisetzung im Familiengrab fand nicht statt, weil eine seiner Tanten Einwände geäußert hatte.

Das Grab von Rainer Burgis wurde wenige Jahre nach dem Fall der Mauer eingeebnet. (Recherche: Prof. Appelius)

Quellen:
https://www.fu-berlin.de/sites/fsed/Das-DDR-Grenzregime/Biografien-von-Todesopfern/Burgis_Rainer/index.html
https://www.az-online.de/altmark/salzwedel/stappenbecker-starb-1978-beim-fluchtversuch-3084143.html
http://www.uokg.de/2018/08/rainer-burgis-wird-mit-mahnmal-geehrt/